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Der (be)zaubernde Clown Mumpe Naseweis alias Herbert Würz hat es geschafft. Er ist den Weg aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit gegangen und hat, ganz nebenbei, sich selbst gefunden

Seit 1996 sorgt ein Clown aus Rheinland Pfalz, ein clownesker Zauberer, ein Kleinkunst-Torero der besonderen Art für Furore. Seine Shows und Angebote heben sich wohltuend von dem - auch medialen - Schrott ab, dem die Kinder hierzulande leider allzu oft ausgesetzt sind. Doch nicht nur über seine durchdachten und liebevollen Arrangements soll hier berichtet werden; erstaunlich ist vor allem sein Lebensweg dorthin.

Aller Anfang

Als Herbert Würz 1953 das Licht der Welt erblickte, ließ sich vieles vermuten, nur eins sicherlich nicht: Nämlich, dass er später einmal als Clown durch die Gegend ziehen sollte. Er wuchs in einer ganz und gar typischen Arbeiterfamilie im Nordpfälzischen Weitersweiler auf. Als eins von sage und schreibe sieben Kindern wurde er schon früh auf handwerkliche Tätigkeiten getrimmt und entwickelte diesbezüglich beachtliche Geschicklichkeit. Dennoch war es wohl mehr der Zufall denn echtes Interesse, der ihn in jungen Jahren ins Bäckereigewerbe einsteigen ließ. 1971 erhielt er seinen Gesellenbrief und arbeitete danach für einige Jahre als Bäcker, bevor sich ihm eine andere, insbesondere finanziell attraktivere Möglichkeit bot: Herbert Würz wurde Fernfahrer bei einer Firma, die die amerikanische Armee versorgte. Schließlich heiratete er nicht nur recht früh, sondern auch noch die Richtige. Sie sollte ihm künftig den rechten Rückhalt in allen Höhen und Tiefen des Lebens bieten. Und so wäre es sicher geblieben bis an sein Lebensende, wenn, ja, wenn nicht.........

Vom Außenseiter zum Arbeitslosen

Es waren drei wichtige Ereignisse, wiederum vom Zufall bestimmt, die Herbert Würz' weiteren Lebensweg bestimmten. Das erste war ein Herzinfarkt. Plötzlich und wie aus heiterem Himmel veränderte sich sein Leben. Dass er überlebte, war ein kleines Wunder. Was in den Jahren danach passierte, ein großes. Als Herbert Würz gesundet und wieder dienstfähig war, konnte er seine Arbeit nur noch mit Einschränkungen versehen. Schichtdienste und das Fahren von Kühltransporten verboten sich. Von den Kollegen wurde er deshalb geschnitten und sein Arbeitgeber schikanierte ihn. Die Arbeit, und damit ein wichtiger Teil des Lebens wurde ihm zur Hölle. Feierabende verwandelten sich in Horrortrips, da Ängste, Befürchtungen und aufgestaute Wut ihn derart belasteten, dass von Ruhe oder gar Entspannung nicht die Rede sein konnte. Als 1994 wegen der Truppenreduzierungen Entlassungen anstanden, bat Herbert Würz seinen Arbeitgeber, dabei sein zu dürfen - das zweite Ereignis. Der Sozialplan würde ihn eine Weile über Wasser halten.

Erste Schritte auf den berühmten Brettern

Herbert Würz war arbeitslos und hatte Zeit. Handwerklich ohnehin ein Universaltalent, war er der ideale Ansprechpartner für Schwägerin und Schwager, die gerade das Kindertheater "Grabschn Babschn" auf die Beine stellten. Schauspielerisch wie konzeptionell war bei den beiden alles klar, aber am handwerklichen Können für das transportable Theater und seine Utensilien fehlte es schlicht und ergreifend. Also stieß Herbert Würz dazu und begab sich, zunächst als Roadie sozusagen, auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Er half beim Auf- und Abbau und organisierte tüchtig mit. Alles war ihm recht, nur eins nicht: Mitspielen würde er nie und nimmer.

Der beste Weg, sich eine Freude zu machen, ist: zu versuchen, einem anderen eine Freude zu bereiten.

Mark Twain

Bei diesem Nie und Nimmer blieb es ungefähr ein halbes Jahr. Dann aber ging es los: Zunächst eine kleine Nebenrolle, darauf mehrere Nebenrollen und schließlich machte er als Schauspieler mit. Das Theaterfieber hatte ihn gepackt. Ein Fieber, dass ihn nie wieder loslassen wird. Er hatte ein Publikum kennen gelernt, das dankbarer nicht hätte sein können.

Mumpe Naseweis wird geboren

Irgendwann reifte ein Gedanke in ihm, zuerst verschwommen und fern. Dann aber konkreter und näher. Da lag Herbert Würz nachts oft wach und träumte. Es war die Zeit, in der Clown Mumpe Naseweis geboren wurde. Diese Geburt war das dritte Ereignis. Seitdem ist mancherlei geschehen: Unendlich viele Übungsstunden, teure Anschaffungen, der Druck von Werbematerial, vor allem aber die Suche nach einem Konzept, so flexibel, dass es für jede Gelegenheit taugt. Von Beginn an war dem künftigen Clown anzumerken, dass es ihm um mehr ging als irgendein Job, das Ende der Arbeitslosigkeit, die Selbständigkeit. Es ging ihm um Selbstverwirklichung, um seine entflammte Liebe zum Theater, zur Kleinkunst und zu seinem Publikum, den Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Wer dies weiß, versteht, warum Herbert Würz - von nun an nenne ich ihn Mumpe - bei klein&groß (Die Ähnlichkeit mit einer pädagogischen Fachzeitschrift ist pure Absicht, da dieser Bericht dort erschien) gleichermaßen beliebt ist. Seine Aufführungen, ob im Altersheim, auf Dorf-, Stadt- oder Betriebsfesten, bei Kindergeburtstagen oder in Kindergärten, zeugen vor allem von zweierlei: Seine menschenfreundliche Haltung und seine Liebe zum Detail.

Die Selbständigkeit

Natürlich konnte Mumpe nicht gleich von seiner Kleinkunst leben. Zunächst galt es, sich einen Namen zu machen, bekannt zu werden, für sich zu werben. Das beanspruchte ihn mehr als ein Vollzeitjob. Doch nach und nach, schneller als je für möglich gehalten, häuften sich Anfragen und Engagements. Jede Absage, wegen Terminüberschneidungen hin und wieder nötig, tat und tut ihm weh. Nicht wegen des entgangenen Geldes, das er natürlich auch lieber in der Tasche klimpern hört, sondern weil er so gern spielt und sich freut, dass er gewollt wird. Außerdem: er möchte seine Kunden nicht enttäuschen. Am allerwenigsten die Kinder, an denen er eine Vielfalt von Lebensäußerungen wahrnimmt, über die Erwachsene schon lange nicht mehr verfügen. Auf Kinder zugehen, sie ernst zu nehmen in ihrer Welt, mit all ihren guten und schlechten Seiten - ja, das ist Mumpes Sache, da gerät er ins Schwärmen. Gerade von behinderten Kindern, die zu seinen treuesten Fans gehören, hat er viel gelernt. Jahr für Jahr wuchs Mumpes Kundenstamm.

Das Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas

Christian Morgenstern

Ein schönes Gefühl für ihn, mittlerweile auf sicheren Beinen zu stehen. Wesentlich für seinen Erfolg ist Mumpes Vielseitigkeit: Mal knetet er kuriose Modelle aus Luftballons, mal fliegen Tücher mit Zauberkraft aus der Hand in eine Glühbirne, gleich seitenweise verschwinden schwarz-weiße Bilder aus Büchern, um kurz darauf in Farbe wieder zu erscheinen. Dann nimmt Mumpe einen imaginären Hund an die Leine, läuft mit ihm durch das Publikum und treibt mit den Leuten (mit den Leuten, wohlgemerkt, und nicht über sie) einen Scherz nach dem anderen. Oder es fliegen Bälle, Keulen und allerlei merkwürdige Dinge durch die Gegend - Jonglagen nennen die Profis das. Ein anderes mal macht er sich über die verschiedensten Berufsstände lustig. Aber bei allem bleibt er immer ein Clown.

Wermutstropfen

Da erfüllt einer sich seinen Wunschtraum und macht sein Hobby zum Beruf. Ein paar Witze, ein paar Spiele, ein paar Kunststückchen, und dann fließt das Geld in Strömen? Nein, so ist es nicht. Clown zu sein, das bedeutet Stress. Einen schlechten Tag kann sich vielleicht ein Beamter leisten, Mumpe nicht. Krankheit? Geht nicht. Immer einen Witz auf den Lippen, hier eine Performance, dort eine Zauberei - das schlaucht. Aber Verschleißerscheinungen dürfen sich nicht bemerkbar machen, und offene Routine ist Gift für das Publikum. Wind, Wetter und unzuverlässige Veranstalter, das ist die Antwort, wenn man Mumpe fragt, was ihn bei der Arbeit nervt. Es gibt nichts schlimmeres, als bei strömendem Regen zu einem Auftritt zu eilen und dann festzustellen, dass kein Dach die Bühne und das Publikum schützt, weshalb das Kinderprogramm ausfallen muss. So etwas kommt vor. Öfter, als man denkt.

Jeder Mensch ist ein Clown, aber nur wenige haben den Mut, es zu zeigen

Charlie Rivel

Aber Schwarzsehen gilt nicht. Mumpe scheucht die negativen Gedanken fort. Meistens läuft es gut, und es sind Menschen am Werk, die gerne etwas für Kinder auf die Beine stellen. Deshalb haben Kindergärten und Jugendhäuser bei Mumpe einen hohen Stellenwert. "Na, war's das?" fragt Mumpe lächelnd und haut mir mit der neuen Melone auf den Oberschenkel. "Reicht`s zum schreiben?"

Klar doch.

Mit freundlicher Genehmigung von Peter Blase-Geiger